Reinhard Heller

Vorgehensweisen bei Pflanzungen von Streuobstbäumen

Standorteignungsprüfung-Sortenwahl-Pflanzanleitung

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1. Standort

Vor der Pflanzung muss eingehend geprüft werden, ob der beabsichtigte Standort geeignet ist. Dazu empfiehlt es sich, ein Bodenprofil aufzugraben, um die Mächtigkeit des dunklen Oberbodens zu ermitteln. Dieser sollte mindestens 50 cm stark sein. Der Standort darf weder zu trocken sein, noch Staunässe aufweisen und sollte sich nicht in einer durch Spätfröste gefährdeten Senke befinden.

Eine völlig freie, vor Wind ungeschützte Lage ist ebenso ungünstig wie eine eingeschlossene Lage, zum Beispiel eine Waldlichtung, wo es keine Windbewegung gibt. Ideal ist ein Standort in Siedlungsnähe, der vor heftigen westlichen Winden geschützt ist. Es sollte ein ausreichender Abstand zu großkronigen Laub- und Nadelbäumen eingehalten werden. Achten Sie darauf, dass Obstbäume niemals in den Wurzelbereich anderer Bäume hineingepflanzt werden. Sie würden im Konkurrenzkampf um Wasser und Nährstoffe unterliegen.

Sollte es in unmittelbarer Umgebung der zu bepflanzenden Fläche große, alte, gesunde und ertragreiche Obstbäume geben, so kann der Standort als geeignet angesehen werden und eine Eignungsprüfung erübrigt sich. Stellen Sie fest, welche Sorten am häufigsten vertreten sind. Somit erhalten Sie einen ersten Anhaltspunkt, welche Sorten für die geplante Pflanzung erfolgversprechend sind.

Ist der Boden zu sandig und zu trocken, so sollte man von einer Obstbaumpflanzung Abstand nehmen. Selbst anspruchslose Sorten wollen hier nicht recht wachsen. Im permanent staunassen Boden würden die Bäume „ersticken“

 

2. Sortenwahl

Für die Pflanzung kommen ausschließlich Sorten in Betracht, die ro­bust sind und ohne synthetische Pflanzenschutzmittel auskommen. Ein leichter Krankheitsbefall ist weder bestandsbedrohend noch ent­wertet er in bedeutendem Umfang die Ernte, so dass er in der Regel toleriert werden kann. Im Idealfall liegt eine genetisch fxierte Resi­stenz (z. B. gegen den Schorfpilz) vor. Vorbeugend ist auf einen gu­ten Pflegezustand (fachgerechter Baumschnitt, optimale Wasser- und Nährstoffversorgung) sowie eine effiziente biologische Bekämpfung von Schadinsekten (Vogelnistkästen!) zu achten.

 

Die zur Pflanzung vorgesehenen Hochstämme stehen auf starkwüch­siger Obstbaumunterlage, die langlebig ist und ein großes Bodenvolu­men erschließt. Für den Zeitraum von 3-5 Jahren nach der Pflanzung muss bei Sommertrockenheit allerdings reichlich gegossen werden. Der Baum zeigt Ihnen mit kräftigen Jahrestrieben an, dass ihm Stand­ort und Pflegestatus behagen.

 

Um eine optimale Bestäubung sicher zu stellen, sind bei der Planung der Pflanzung anerkannte Bestäubersorten einzubeziehen. Diese sind im folgenden mit * markiert.

 

Die Genussreife gibt die Zeitspanne optimaler Geschmacks-entfaltung für den Rohverzehr an (z. B. 3 - 6 bedeutet: von März bis Juni). Das Apfelsortiment ist im wesentlichen auf der Basis jener Sorten erstellt worden, die bei öffentlichen Sortenbestimmungen im Wendland vor­gelegt worden sind.

 

Mit sind die Sorten markiert, die wiederholt bis häufig auftraten. Man kann unterstellen, dass diese Sorten besonders beliebt waren und es noch immer sind und mit den speziellen Boden- und Klima­bedingungen im Wendland gut zurechtkommen. Aus diesem Grund sollten sie künftig bei geplanten Neupflanzungen bevorzugt Berück­sichtigung finden, ohne die seltener vorkommenden Sorten dabei aus dem Auge zu verlieren.

 

3. Planzanleitung

• beste Pflanzzeit ist der Herbst (Oktober/November), da im Frühjahr gepflanzte Bäume während der Trockenperioden sehr viel öfter gegossen werden müssen.

• Standort der Bäume festlegen (8 -10 m Abstand zwischen hochstämmigen Bäumen), benötigtes Material und Werkzeug bereitlegen

• Größe der Pflanzgrube (bei magerem Boden 1 m Durchmesser, sonst 1,5-fache Länge des Wurzeldurchmessers) mit dem Spaten markieren, oberflächlichen Bewuchs abstechen und gesondert ablegen, da er beim Verfüllen nicht wieder verwendet wird

• Erde einen Spatenstich tief ausheben, was i. d. R. ausreichend ist, um die Wurzel des Baumes unterzubringen, Untergrund mit dem Spaten nur lockern, nicht wenden

• Am Baum wird der Pflanzschnitt vorgenommen (wichtig!): Verletzte, abgeknickte und abgerissene Wurzeln glatt schneiden. Außer der Stammverlängerung (Spitze) werden 3-4 Leitäste belassen, die restlichen werden weggeschnitten, die Leitäste werden jeweils auf ein nach außen stehendes Auge (Knospe) eingekürzt, so dass sich die Schnittflächen auf einer Ebene (Saftwaage) befinden, zuletzt die Stammverlängerung etwa 20 cm über der Saftwaage der Leitäste einkürzen

• Baumpfahl/pfähle in die Pflanzgrube einschlagen

• Der Baum wird in die Pflanzgrube gestellt und geprüft, ob er nicht zu hoch oder zu tief steht, der oberste Wurzelansatz sollte geradeeben mit Erde bedeckt sein, die Veredlungsstelle muss deutlich aus der Erde herausragen

• Pflanzgrube mit lockerer Erde anfüllen und vorsichtig mit dem Fuß verdichten

• Gießring formen und reichlich angießen, gegebenenfalls fehlende Erde/Komposterde nachfüllen, Baumscheibe mit verrottetem Mist abdecken; soll gemulcht werden, im Winter Mulchmaterial in Baumstammnähe entfernen.

• Baum unterhalb der Krone am Baumpfahl anbinden, der Baumpfahl endet knapp unterhalb des untersten Leitastansatzes

• Eventuell notwendigen Verbissschutz am Stamm anbringen (gegen Wild, Weidetiere)

• Man arbeitet beim Pflanzen der Bäume am besten zu zweit oder zu dritt.

• Für die in den Folgejahren notwendigen fachgerechten Baumschnittmaßnahmen (Erziehung/Instandhaltung) sollte eine Unterweisung in Theorie und Praxis absolviert werden.